Das Beglücken einsamer Frauen ist nur eine Facette des umtriebigen Lebens von Mr. Fab alias RIAA. Wenn er sich nicht gerade der Damenwelt widmet, produziert er schräge Mashup-Beats. Eine Hommage von DJ Clivester, an den garantiert ungewöhnlichsten aller Bootleg-Künstler.
“Robotic Intergalactic Astro-Artists”. “Recording Industries Are Archaic”. “Really Interesting Audio Adventures”. “Rendevous Internationale Action Album”. “Rockin´ Internet Art Alternatives”. Dies sind nur einige der Antworten, die man auf die Frage nach der Bedeutung des Pseudonyms “RIAA” erhält.
Der Mann, der hinter diesem Wust an Namen steckt, nennt sich bescheidener weise einfach Mr. Fab (kurz für “Mr. Fabulous”) – und das zu Recht: Der aus North Hollywood stammende Musiker und Produzent schuf mit seinem außergewöhnlichen Stil eine völlig neue Mashup-Kunstform. Mr. Fab selbst beschreibt die Methode als “Graffiti Music“: So wie ein Graffiti-Künstler fremdes Eigentum besprüht, legt er Eigenkompositionen oder andere Tracks über bekannte Instrumentalversionen.
Angefangen hat alles mit HipHop, Ende der 80er. Durch das Hören von De La Soul, Public Enemy und dem (eindeutig besten) Beastie-Boys-Album “Paul´s Boutique” kam Mr. Fab auf die Idee, sich ebenfalls einen Sampler anzuschaffen und auf den Zug des damals neuen Zitierstils aufzuspringen. Damit hielt er sich allerdings nicht lange auf. Die 90er Jahre brachten nämlich nicht nur viel Neues, sondern leider auch die ersten Copyright-Prozesse mit sich. Also ging es ab in den Underground.
Einige der älteren Produktionen, die Mr. Fab noch mit Floppy-Disk-Sampler und 8-Track produzierte, findet man auf seiner “Jet-Set Discotheque“-Kollektion, immer noch einer seiner besten Produktionen – allen voran der Track “Bagpipes & Breakdancing”: Riverdance meets Old-School-Rap.
Der ungewöhnliche Stil ist ihm bis heute erhalten geblieben. RIAAs Spezialität ist es, scheinbar absolut unvereinbare Musikgenres und Songs, gepaart mit eigenen Instrumentierungen, erfolgreich zu einer hypnotisierenden Kakophonie zusammenzufügen: “Dirt Bacharach” brachte Mr. Fab immerhin einen Platz in den Top ten der Jahres-Charts eines US-Radiosenders ein. Würde man die Downloads mit CD-Verkäufen gleichsetzen, so hätte “Dirt Bacharach” Mehrfach-Platin-Status. Mr. Fabs Tribut an einen der legendärsten Entertainer wurde mehr 100.000 Mal heruntergeladen. Und wer Tracks wie “Birds” oder “Always Something Rollin´” bis jetzt wirklich noch nicht gehört hat, der verpaßt ein Stück feinster Bootleg-Kultur.
Betrachtet man die RIAA-Produktionen als Gesamtwerk, so kristallisiert sich unüberhörbar Mr. Fabs Liebe zu Easy Listening und Polyester-Lounge-Musik heraus. Das beste Beispiel dafür ist wohl “The Lonely Woman“, das kürzeste Epos der Mashup-Geschichte: ein beim erstmaligen Anhören eher unscheinbarer Track, der sich aber spätestens beim zweiten Durchlauf als die uneingeschränkte Hymne der Lounge-Kultur erweist. Schwere D´n´B-Beats, bis zum Anschlag heruntergepitcht, dazu die zarte Stimme der 60er-Country-Legende Judy Lynn und ein abgetakelter Fernsehsprecher aus den 70ern sind die Zutaten dieser akustischen Köstlichkeit. Alte Filmausschnitte und Sprecher dürften es Mr. Fab überhaupt angetan haben …
Sein aktuelles Album “Sounds for the Space-Set” nimmt uns mit auf eine Reise ohne Wiederkehr. Einmal gefangen in diesen Sounds, gibt es für den Hörer kein Entrinnen mehr. Hier wird keine Rücksicht auf Konventionen genommen; David Bowie spielt mit den Four Tops, Céline Dion mit Devo und der Dazz Band, sogar vor dem bei Fans heiligen “Star Trek”-Theme wird nicht haltgemacht. Im Gegenteil – Ella Fitzgerald und Cosmos lassen Captain Kirk & Co. in einem völlig neuen Licht erscheinen.
Es wäre kaum verwunderlich, wenn die Kompositionen von RIAA irgendwann als Filmmusik Gebrauch fänden; schließlich lebt er auch in Hollywood, und dort ist bekanntlich alles möglich. Erst kürzlich hat er “Mean Mr. Mommy Man” vertont – oder, genauer gesagt, die “Eraserhead Serenade” geschaffen: ein absolut surreales Stück und mit Sicherheit nichts für Freunde von Britney Spears und Konsorten.
Und mit dem Schreiber dieser Zeilen arbeitete Mr. Fab an einem Albumprojekt, als Würdigung eines großen – bereits verstorbenen – Entertainers. In diesem Sinne: “Buona Sera, Signorina, Buona Sera …”
Euer DJ CLIVESTER!
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